Ditmar Danelius

Ditmar Danelius wohnt als Kind mit seiner Familie in der Christburger Straße 38. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges ist Ditmar Danelius sieben Jahre alt. Der Vater von Ditmar Danelius, Max, ist Bauklempner. Als der Vater im Ersten Weltkrieg ist, muss Ditmar Danelius gemeinsam mit den zwei älteren seiner vier Geschwister der Mutter helfen, Geld zu verdienen. So nähen sie Knopfösen in Armeezeltplanen. Mit zehn Jahren hilft Ditmar seiner Mutter Laura beim schleppen von Säcken mit Kaffeebohnen aus einem Betrieb in die Geschäfte. Die Eltern sind zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus Pommern nach Berlin gekommen – sie sind Juden, aber nicht orthodox gläubig und so spielt Religion in der Familie, mit Ausnahme der Feiertage, kaum eine Rolle.

Ditmar Danelius besucht die Gemeindeschule in der Christburger Straße 14. Im dortigen Kinderorchester spielt er Geige, womit er später im Exil in Paris Geld verdient.
Im Januar 1931 wird Ditmar Danelius mit 24 Jahren Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und anschließend Organisationssekretär einer KPD-Straßenzelle in der Christburger Straße. Der Mann der älteren Schwester von Ditmar Danelius, Therese, genannt Resi, eröffnet Anfang 1931 einen kleinen Eisladen in der Immanuelkirchstraße, wo Ditmar bis zur Schließung nach 1,5 Jahren arbeitet. In dem Eisladen haben sie zeitweilig auch Waffen des verbotenen Rotfrontkämpferbundes versteckt.

1933 werden Ditmar Danelius und sein acht Jahre jüngerer Bruder Gerhard verhaftet, die Wohnung wird durchsucht. Sie haben ein Flugblatt mit der Überschrift „SA-Mörder“ hergestellt und verteilt, nachdem ein Bekannter von ihnen, ein junger Kommunist im Alter von 17 Jahren, von der SA totgeprügelt worden war. Sie haben Glück und werden nach einigen Tagen wieder entlassen. Mit Hilfe der Jüdischen Gemeinde organisieren sie ihre Ausreise, zunächst nach Holland und kurz darauf nach Paris. Da sie dort keine Arbeitserlaubnis haben, tritt Ditmar mit seiner Geige auf verschiedenen Veranstaltungen der Französischen Kommunistischen Partei, der Roten Hilfe und bei Gewerkschaften auf. 1934 geht Gerhard zurück nach Deutschland, wo er später in der Illegalität gegen die Nationalsozialisten arbeitet.
Ditmar droht 1936 die Ausweisung aus Frankreich, weshalb er nach Algerien geht, damals französische Kolonie, wo er sich in der kommunistischen Partei Algeriens betätigt. 1939 wird er aufgrund dieser politischen Tätigkeit verhaftet, die kommunistische Partei war verboten. Zunächst zum Tode verurteilt, kommt Ditmar Danelius im Sommer 1943 frei. Nach Ende des Krieges heiratet er seine Genossin Lucette.

1946 versucht er, Kontakt zu seinem Bruder aufzunehmen. Ein Jahr später erhält er Post von seinem Bruder und erfährt, dass kaum ein Mitglied der fast 30-köpfigen Familie den Nationalsozialismus überlebt hat. Gemeinsam mit seiner Frau Lucette reist Ditmar Danelius Anfang 1948 zurück nach Ost-Berlin, wo sein Bruder lebt. Bis 1953 ist Ditmar Danelius Vorsitzender der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, der VVN, die 1953 aufgelöst wird. In den 1960er Jahren arbeitet er als Sekretär für die Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft. Zudem arbeitet er in unterschiedlichen Funktionen als Parteifunktionär der SED, ebenso wie sein Bruder Gerhard. Ditmar Danelius stirbt im Oktober 1997.

Literatur: Jeanne Pachnicke, Regina Scheer: Brüder, in: Leben mit der Erinnerung. Jüdische Geschichte in Prenzlauer Berg, Berlin 1997, S. 89-96.

Leonore Samuel

Die Eltern von Leonore Samuel sind aus Prezmysl/Polen nach dem Ersten Weltkrieg nach Berlin gekommen, da der Vater Herrmann in seiner Heimat als gelernter Buchhalter keine Anstellung fand und es immer wieder zu antisemitischen Pogromen kommt. Der Vater von Leonore Samuel war während der Ersten Weltkriegs Offizier in der ungarisch-österreichischen Armee. Er hat die Universität besucht und ist ein sehr gebildeter Mann, der mehrere Sprachen fließend spricht.
Die Mutter von Leonore Samuel, Gusta Buchsbaum, geborene Brenner, hat keine Schule besucht und auch keinen Beruf erlernt.

In Berlin angekommen arbeitet der Vater als Nachtwächter und Kaufmann und reist viel herum. Die Mutter näht zu Hause und hilft dadurch einer befreundeten Familie aus. Leonore Samuel kommt am 23. August 1923 zur Welt und ihr Bruder Bernhard eineinhalb Jahre später. Die Familie Buchsbaum lebt in sehr einfachen Verhältnissen. Sie können sich, wie viele andere Familien um den Wörtherplatz (heute Kollwitzplatz) keine eigene Wohnung leisten und leben zur Untermiete gemeinsam in einem Zimmer.

Die ersten Erinnerungen Leonore Samuels handeln vom jüdischen Kindergarten in der Fehrbelliner Straße 92, in dem sie gerne ist und viel Zeit verbringt. Auch zu Schulzeiten geht sie dort in den Hort. Das Leben von Leonore Samuel spielt sich außerhalb der Wohnung ab.
Im Jahr 1930 wird Leonore in die 110. Volksschule in der Schönhauser Allee 166a eingeschult. Die ersten Schuljahre sind schön für Leonore, doch mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten ändert sich auch das Schulklima schlagartig. Sehr schnell wird die antisemitische und nationalistische Erziehungsideologie der Nationalsozialisten umgesetzt. Im Sommer 1934 wechselt Leonore Samuel auf die jüdische Schule in der Rykestraße. Die jüdische Gemeinde übernimmt dafür das Schulgeld. Gleichzeitig wird sie Mitglied im jüdischen Sportbund Makkabi. Die Mitgliedschaft bei Makkabi ermöglicht es ihr, auch weiterhin viel draußen aktiv zu sein, obwohl dies immer gefährlicher wird und durch die antisemitische Gesetzgebung zunehmend Einschränkungen bestehen. In dieser Zeit verbringt sie auch viel Zeit mit ihrer Clique, die aus zwei Mädchen und drei Jungen besteht.

Der Vater findet schließlich keine Arbeit mehr und wird 1936 zur Zwangsarbeit eingezogen. Die Mutter arbeitet heimlich als Näherin in Heimarbeit. Ohne die Unterstützung der jüdischen Gemeinde könnte die Familie nicht überleben. Ende Oktober 1938 wird der Vater um 7 Uhr morgens von der SS verhaftet und nach Polen abgeschoben. Die 15jährige Leonore Samuel liegt krank im Bett und begleitet später die Mutter nicht, um sich von ihrem Vater zu verabschieden. Eine Entscheidung, die sie ihr ganzes Leben lang bereuen wird, da sie ihren Vater nie wieder sieht.
Daraufhin bemüht sich die Mutter, ihre Kinder in Sicherheit zu bringen und hat Erfolg damit. Im Mai 1939 reist Leonore Samuel mit einem Kindertransport nach Großbritannien aus. Ihr Bruder folgt ihr im August 1939. Beide kommen nach Balfour Castle. Ihre Eltern hat Leonore Samuel nie wieder gesehen. Beide wurden durch die Nationalsozialisten ermordet.

1941 heiratet sie das erste Mal. Aber das Glück währt nicht lange. Das Kind das sie erwartet verliert sie und die Ehe wird kurze Zeit darauf geschieden. Leonore Samuel zieht daraufhin nach Glasgow und arbeitet dort als Schneiderin. 1951 heiratet sie ein zweites Mal und bekommt mit ihrem Mann drei Kinder.

Literatur: Bernt Roder: Vier Staatsbürgerschaften, in: Leben mit der Erinnerung. Jüdische Geschichte in Prenzlauer Berg, Berlin 1997, S. 62-67.

Max Nesher

Max Nesher, geboren Raubvogel, wächst zusammen mit seinen drei jüngeren Geschwistern in der Metzer Straße 18 auf. Hierhin waren die Eltern Selig Regina 1919, ein Jahr vor der Geburt von Max gezogen. Beide kamen nach dem Ersten Weltkrieg aus Tarnow in Polen nach Berlin. Selig Raubvogel handelt zunächst mit Stoffen und arbeitet später als Buchhalter in Konfektionsgeschäften, die von den Brüdern von seiner Frau Regina betrieben werden. Die Familie war in der Metzer Straße, in der zu dieser Zeit sehr viele jüdische Familien wohnten, bekannt, auch weil Selig Raubvogel fließend Deutsch spricht und deswegen in der Kommunikation mit den Behörden oft hinzugezogen wird. In den 1930er Jahren zieht die Familie mehrfach um in Prenzlauer Berg, zunächst in die Weißenburger Straße (heute Kollwitzstraße) und später in die Lothringer Straße (heute Torstraße).

1926 wird Max in die 174. Volksschule in der Schönhauser Allee eingeschult. Neben einem anderen Jungen ist er der einzige jüdische Schüler, was er zum Teil als sehr beängstigend erlebt – da der Lehrer ihn schlecht behandelt. Im Gegensatz zur Schule in der Schönhauser Allee hat Max Nesher an seine Schulzeit in der Rykestraße noch gute Erinnerungen: 1933 beschließt der Vater, aufgrund der politischen Situation den Sohn zur Jüdischen Volksschule in der Rykestraße zu bringen. Hier werden die Kinder im Unterricht bereits auf eine Auswanderung nach Palästina vorbereitet. In seiner Freizeit ist Max Nesher im Zionistischen Jugendbund aktiv und spielt im jüdischen Sportverein Hakoach-Berlin Fußball. Nach Abschluss der Schule 1936 besucht Max Nesher ein Hachschara-Lager, das vermittelt über das Palästina-Amt der Vorbereitung zur Ausreise dient. Nachdem es in der Familie lange Zeit Diskussionen über einen Weggang gegeben hatte, was der Vater zunächst ablehnte, wird nun auch offen über eine Auswanderung gesprochen.

Am 28. Oktober 1938 klopfen Zivilbeamte an der Tür und fordern Max auf, ihnen zu folgen. Sie bringen ihn zu einer Sammelstelle auf dem Senefelder Platz, wo er gemeinsam mit anderen Juden den ganzen Tag verharren muss und ihnen befohlen wird, auf und ab zu marschieren. Am Abend wird ihnen mitgeteilt, dass sie nach Polen abgeschoben werden. In der Nacht werden sie auf Lastwagen zum Schlesischen Bahnhof gebracht. Dort trifft Max seinen Vater und sie werden im Zug zu dem polnischen Grenzort Zbaszyn gebracht, wo sich zunächst jüdische Hilfsorganisationen um die Abgeschobenen kümmeren. Zu diesem Zeitpunkt werden während der sogenannten Polenaktion bis zu 17.000 Jüdinnen und Juden polnischer Herkunft nach Polen abgeschoben. Die Mutter flieht mit den drei Geschwistern von Max zu Verwandten nach Belgien.

Im Geheimen wird in Krakau die Auswanderung der Jugendlichen nach Palästina organisiert. Nach einigen Monaten in Zbaszyn reist Max Nesher zusammen mit anderen Jugendlichen über Italien auf einem Schiff versteckt nach Palästina. Dort im April 1939 angekommen, schleust sie die jüdische Untergrundorganisation Hagana ins Land. Die damalige britische Mandatsmacht von Palästina hatte strenge Einreiseregelungen verhängt. Zu diesem Zeitpunkt herrschte eine Einwanderungssperre.

In Palästina kämpft Max Nesher in der jüdischen Befreiungsarmee der Hagana und später in der britischen Armee gegen den Nordafrikafeldzug der Deutschen. Nach dem Krieg arbeitet Max Nesher für die Bus-Kooperative „Egged“, zuletzt als Personalchef. Seine Familie überlebt den Krieg nicht. Sein Vater wird nach Beginn des Zweiten Weltkrieges von Polen ermordet. Seine Mutter und seine Geschwister wurden aus Belgien in ein Vernichtungslager deportiert.

Literatur: Bernt Roder: Sammelstelle Senefelder Platz, in: Leben mit der Erinnerung. Jüdische Geschichte in Prenzlauer Berg, Berlin 1997, S. 121-126.

Simon Mandel

Simon Mandel, 1925 geboren, wächst zunächst in Berlin-Mitte auf, hinter der Volksbühne am heutigen Rosa-Luxemburg-Platz und nur wenige Meter von der Bezirksgrenze zum Prenzlauer Berg entfernt. Seine Eltern Mindla und Josef waren nach dem Ersten Weltkrieg nach Berlin gekommen, sie aus der Nähe des polnischen Katowice, er aus dem österreichischen Galizien. Der Bruder von Simon Mandels Mutter eröffnete zusammen mit seinem Vater ein Damenkonfektionsgeschäft.

1931 wird Simon Mandel an der Jüdischen Volksschule in der Kaiserstraße, heute Jacobystraße in der Nähe vom Alexanderplatz eingeschult. 1933 zieht die Familie Mandel in die Weißenburgerstraße 13 (heute Kollwitzstraße 26). Ab 1936 besucht Simon Mandel die Jüdische Mittelschule in der Großen Hamburger Straße. Mit der Zunahme antisemitischer Gesetze auch hinsichtlich des Schulbesuches wechseln immer mehr jüdische Schülerinnen und Schüler auf jüdische Schulen. In seinen Erinnerungen beschreibt Simon Mandel den Wandel nach 1933 – ehemalige Freunde wollen sich nicht mehr mit ihm treffen und in verschiedenen Geschäften und auf der Straße bekommt er die judenfeindliche Atmosphäre zu spüren. Ein Hobby von Simon Mandel ist der Fußball – er ist begeisterter Fan von Hertha BSC und spielt selbst Fußball im jüdischen Verein Bar Kochba Berlin.

Im August 1938 erhält Simon Mandel mit 13 Jahren die Bar Mizwa in der Synagoge in der Rykestraße. Kurz vor der Progromnacht im November 1938 flüchtet die Familie aus Angst in die Wohnung eines Angestellten des Vaters. Als sie nach dem 9. November in das Geschäft kommen, ist alles verwüstet und sie müssen das Geschäft schließen. Simon Mandels Eltern versuchen nun, dem Sohn die Emigration zu ermöglichen und setzen ihn auf eine Warteliste für einen Kindertransport nach Palästina, wohin bereits zwei Tanten mit ihren Familien ausgewandert sind. Am 10. Dezember 1939 besteigt Simon Mandel mit 50 anderen Jugendlichen einen Zug nach München und erreicht über Italien schließlich neun Tage später Palästina. Auch die Eltern versuchen auszureisen. Ein Angebot zur illegalen Ausreise nehmen sie jedoch nicht wahr, da dies nur unter der Bedingung möglich gewesen wäre, die 1936 geborene Schwester von Simon, Ruth, zurückzulassen. Bis zum Februar 1943 besteht ein Briefkontakt zwischen Simon Mandel und seinen Eltern, dann reißt dieser ab. Am 26. Februar werden Simons Eltern und seine Schwester Ruth nach Auschwitz deportiert.

Im gleichen Jahr meldet sich Simon Mandel freiwillig zur britischen Kriegsmarine und arbeitet auf einem britischen Versorgungsschiff. Nach dem Krieg fährt er zunächst einige Jahre mit der israelischen Handelsmarine zur See. 1953 heiratet er seine Frau Henni, die ebenfalls aus Berlin nach Palästina geflüchtet ist. Bis zu seiner Pensionierung 1986 arbeitet er in der Verwaltung der staatlichen Reederei.

1982 reist Simon Mandel gemeinsam mit seiner Frau das erste mal wieder nach Deutschland und besucht auch West-Berlin. Aus Akten erfährt er einiges über die Umstände der Deportation seiner Eltern und seiner kleinen Schwester. Neun Jahre darauf reist Simon Mandel erneut nach Berlin und besucht diesmal auch die Straßen seiner Kindheit in Prenzlauer Berg.

Literatur: Bernt Roder: Nachrichten von Onkel Gershon, in: Leben mit der Erinnerung. Bernt Roder: Nachrichten von Onkel Gershon, in: Leben mit der Erinnerung. Jüdische Geschichte in Prenzlauer Berg, Berlin 1997, S. 127-146.

Walter Frankenstein

Walter Frankenstein ist 1924 im damaligen westpreußischen Flatow, dem heutigen polnischen Złotów, geboren. 1929, als Walter Frankenstein viereinhalb Jahre alt ist, stirbt sein Vater an einer Lungenentzündung. Seine Mutter betreibt einen Landhandel in Flatow, der 1938 unter Zwang verkauft wird.

1936 muss Walter auf Grund der antisemitischen Politik der Nationalsozialisten die christliche Schule in Flatow verlassen. Durch das Engagement seines Onkels wird er im Baruch Auerbach'schen Waisenhaus in der Schönhauser Allee aufgenommen und besucht die jüdische Schule in der Rykestraße. 1938 beendet er die Schule und beginnt, da ihm eine höhere Schullaufbahn und ein Studium verwehrt ist, eine Maurerlehre bei der Bauschule der jüdischen Gemeinde. Durch seine Arbeit als Maurer bei der jüdischen Gemeinde muss er für die Gestapo arbeiten und Bombenschäden reparieren und Umbauten und Bunker bauen. Bis 1941 kann er dennoch weiterhin im Auerbach'schen Waisenhaus wohnen, wo er auch seine Frau Leonie kennenlernt, die zwei Jahre älter ist als er. Als sie am 20. Februar 1942 heiraten, muss er dafür die Zustimmung seiner Mutter einholen, da er damals als 18jähriger noch nicht volljährig ist. Am 20. Januar 1943 kommt ihr erster Sohn Uri auf die Welt und kurz darauf, im Zuge der Fabrikaktion im Februar 1943, entschließt sich die junge Familie unterzutauchen. Auch durch die Unterstützung von Freunden, die sie verstecken oder Verstecke organisieren, gelingt es Walter und Leonie Frankenstein, gemeinsam mit ihren mittlerweile zwei Söhnen Uri und Michael, über zwei Jahre lang bis zum Kriegsende zu überleben. Walters Mutter wird 1943 deportiert und ermordet.

Nach der Befreiung können seine Frau Leonie und die Söhne durch die Unterstützung einer jüdischen Brigade der Britischen Armee nach Palästina einreisen. Walter Frankenstein soll vier Wochen später folgen. Aus vier Wochen werden zwei Jahre, da sich die Einreise nach Palästina als äußert schwierig erweist. Zunächst arbeitet er als Sportlehrer in einem Vorbereitungslager für Israel in Greifenberg am Ammersee in Bayern. Anschließend arbeitet Walter Frankenstein für die »Bricha«, die die illegale Einreise von Juden und Jüdinnen nach Palästina organisiert. Auf diesem Wege wird er selbst auf Zypern festgehalten und kann erst 1947 das erste Mal seine Familie wiedersehen. In Israel betätigt er sich zunächst in einem Kibbuz als Handwerker. Anschließend macht er sich, zusammen mit einem amerikanischen Ingenieur, selbstständig und baut Bewässerungssysteme im Jordantal und am Toten Meer.

Über den Kontakt zu seinem besten Freund Rolf Rothschild aus dem Baruch Auerbach'schen Waisenhaus, der in Stockholm lebt, wandert er 1956 mit seiner Familie nach Schweden aus und beginnt zu studieren. Nach seinem Studium arbeitet er bis zu seiner Pensionierung 1984 in als Ingenieur.

Nach seiner Pensionierung reist das Ehepaar Frankenstein mehrmals nach Berlin und erzählt ihre Geschichte. Sie engagieren sich beide dafür, dass das Auerbach'sche Waisenhaus nicht in Vergessenheit gerät. 2009 verstirbt Leonie Frankenstein. Im Juni 2014 wurde ein Erinnerungsort für das Auerbach'sche Waisenhaus errichtet. Die Initiative geht auf Walter Frankenstein zurück. Die Namen von den Kindern, Erzieherinnen und Erziehern, die zusammen nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurden, sind eingraviert in der Backsteinmauer wiederzufinden.